Selbstbefriedigung und der virtuelle Seitensprung

Deutschland ist Weltmeister im „Porno-Gucken“, aber schadet dieser Trend auch den deutschen Beziehungen? Die Sexualtherapeutin Carla Pohlink widerspricht in einem Interview einer globalen Schädigung der Pornografie auf Beziehungen.

Pornofilme während einer BeziehungWelchen Einfluss hat die Angebote der Pornoindustrie auf die Beziehung?

Ertappt man seinen Partner dabei, wenn er Sexfilme schaut und diese zur Selbstbefriedigung nutzt, so kann das natürlich erstmal wehtun. Gedanken, wie mangelnde Attraktivität des Partners, nicht ausgelebte Fantasien oder auch abnehmender gemeinsamer Sex liegen dabei natürlich nahe. Oftmals, so die Therapeutin, kommt der Gedanke „Der andere liebt mich nicht!“ vor.

Zu einer kritischen Komponente in einer Beziehung müssen Pornos aber nicht zwangsläufig werden. Grundsätzlich sollten die Paare immer die Frage stellen, ob der gemeinsame Sex darunter leide. Ein Problem kann die Pornografie erst werden, wenn der andere seine Sexualität nur noch in der Selbstbefriedigung und der Pornografie auslebt. Gelegentliches Selbstbefriedigen kann durchaus auch ein Mehrwert für die Beziehung darstellen, denn so hat jeder einzelne die Möglichkeit seine Vorlieben und seinen Körper besser kennenzulernen. Weiterhin ist es eine gute Alternative, wenn ein Partner keine Lust auf Sex hat.

Der Klassiker: (Kostenlose) Pornofilme im Internet

Erotikfilme
25% aller Suchanfragen im Internet sollen pornografischen Ursprung haben, berichtet das PC-Magazin.

Die Erotikindustrie boomt. Besonders im Internet bekommt die Redewendung „Sex sells“ eine besondere Bedeutung. Auf den drei bekanntesten Pornofilm-Internetseiten sind im Monat über 1,5 Milliarden Besucher. Laut dem PC-Magazin sollen 25 Prozent aller Suchanfragen einen pornografischen Hintergrund haben, was alleine täglich 68 Millionen Internetsuchen entspricht.

Grundsätzlich muss bei jüngeren Menschen auch beachtet werden, dass die Pornografie ganz normaler Bestandteil des Lebens, schließlich liegt das durchschnittliche Alter von Erstkonsumenten bei 11 Jahren und bereit 40 Prozent der deutschen Kinder suchen im Internet nach pornografischen Inhalten.

Virtuelle Realität: Sexualität in Online Games

Im Gegensatz zu Porno-Seiten, kann der Spieler von virtuellen Sex-Games selbst agieren und das ausleben, was im echten Leben vielleicht nicht möglich ist. Die Nutzer legen sich einen virtuellen Spieler an und können dann mit anderen virtuelle Nutzer oder mit vom Computer gesteuerten Figuren Sex haben.

Die Virtuelle Realität eröffnet der Erotik-Branche ganz neue Möglichkeiten. Mit VR-Brillen kann man den Geschlechtsakt extrem real nachahmen und mit zusätzlicher Hilfsmittel sogar spüren. Die Sextoy-Hersteller arbeiten dabei mit den Spieleherstellern zusammen und bieten für den virtuellen Sex Computergesteuerte Vibratoren oder Masturbatoren an.

Geht von virtuellen Sex-Games eine Gefahr aus?

Bei Menschen, bei denen das Masturbieren einen höheren Stellenwert als die Partnerschaft hat, kann diese realitätsnahe Sexualerfahrung eine Suchtgefahr bergen. Droht einer der beiden Partner sich in der virtuellen Welt zu verlieren, kann es zu Problemen in der Beziehung führen.
Als mögliche gemeinsame Erfahrung können Fantasien der Paare ausprobiert werden, die im echten Leben wenig vorstellbar wären. Beide Partner können sich einen Avatar anlegen und gemeinsam die Fantasie virtuell ausleben.

Eine weitere Gefahr stellt die künstliche Intelligenz da, die den Spieleherstellern ermöglichen, die Avatare zu einem „echten“ Partner werden zu lassen. Verliert sich ein Spieler dann in der virtuellen Welt, so kann es gefährliche Einschnitte in das gesellschaftliche und soziale Leben darstellen.
Japan machte Online-Dating-Simulationen bereits für die fallende Geburtenrate mitverantwortlich.
Je echter ein Avatar wird, umso höher ist das Risiko. Experten glauben jedoch, dass Bots so real wirken können, dass die Maschinen wie ein Mensch wirken können. Der Blick in die Zukunft zeigt, das in Form eines Roboters mit künstlicher Intelligenz den Nutzern von Erotik-Games sogar ein „realer“ Partner zu Verfügung stehen könnte.

Ein ausgereifter KI-Bot wird im Film „Her“ dargestellt.

Erotik-Chats oder Telefonsex-Hotlines während der Beziehung

Telefonate oder Chats mit echten Menschen können ebenfalls ein Risiko für die Beziehung darstellen, besonders dann, wenn es sich bei dem Chat- oder Gesprächspartnern nicht um Mitarbeiter eines kommerziellen Anbieters handelt. Der für die Partnerschaft schlimmste Fall wäre es dann, dass sich die Internet- oder Telefonbekanntschaften ineinander verlieben, was wohl unweigerlich zu einem Beziehungsproblem führen dürfte.

Nutzt einer der Partner die Angebote nur im Rahmen der Selbstbefriedigung, so ist es durchaus vergleichbar mit einem Pornofilm. Insbesondere werden in diesem Bereich natürlich auch besondere Vorlieben bedient, so gibt es Hotlines mit reifen Damen als Sexkontakte für gewisse Stunden. Zu beachten gilt hierbei jedoch, dass die Anbieter von Telefon- und Camsex allerdings grundsätzlich Geld kosten, was zu weiteren Beziehungskrisen führen kann.

Fazit

Grundsätzlich sollten die Paare ehrlich, transparent und offen mit dem Thema Selbstbefriedigung und Pornografie umgehen. Absprachen bei dem Umgang mit Pornos können dem Partner mehr Sicherheit und Vertrauen bieten, außerdem können die Filmchen auch in die gemeinsame Sexualität eingebunden werden. So erfährt der Partner mehr von den lustvollen Fantasien des anderen und kann diese Erfahrungen wohl möglich auch in das gemeinsame Sexleben einbringen.

Haben einzelne oder auch das Paar gemeinsam den Gedanken, dass die Pornografie überhandnimmt, sollte man sich die Fragen stellen „Was fehlt in der Beziehung?“, damit man gemeinsam das Problem angehen kann.

Die Sexualtherapeutin Carla Pohlink rät, dass man dem Partner sein sexuelles Eigenleben zu lassen sollte und vergleicht  das gelegentliche Schaumbad mit der Selbstbefriedigung. „Der andere soll es sich ruhig gut gehen lassen“ so Pohlink.

 

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